Solidarische Stadt Kassel | Solidarity City Kassel

Frühjahr 2017.

Von der Willkommenskultur ist nicht mehr viel übrig. Zwar gibt es immer noch viele Initiativen, die Geflüchtete unterstützen, allerdings schlägt sich der Alltagsrassismus  in der deutschen Gesellschaft immer wieder in offenen Anfeindungen gegenüber Geflüchteten wieder und Gewalttaten gegen Geflüchtete steigen bundesweit dramatisch an. Die Bilder erinnern an die vergessen geglaubten 1990er Jahre. Der institutionelle Rassismus zeigt sich in den zahlreichen Asylrechtsverschärfungen und der daraus folgenden verschärften Abschiebepolitik. Hunderttausende von Asylanträgen werden abgelehnt. Von Menschen, die erst vor kurzem nach Deutschland geflohen sind vor Krieg, politischer Verfolgung oder weil sie es nicht mehr aushielten, wie Europa ihre Heimatländer zerstört. Von anderen, die schon lange in Deutschland und hier sozial verwurzelt sind. Die Bundesregierung schiebt ab. Zurück in die Länder, die sie gerade erst aus guten Gründen verlassen haben. Zurück in den Krieg.

Frühjahr 2018.

„Wenn Protest nicht wirkt und zu keiner Veränderung führt, müssen wir eben andere Wege gehen“ – ist das Motto einer neu gegründeten Initiative in Kassel. Ein breites Spektrum aus Kasseler Bürgerinnen hat sich dafür entschieden Bürgerasyl zu gewähren. Das heißt sie machen in ihren Wohnungen Platz für Menschen, die andernfalls in Krieg oder Verfolgung zurückgeschickt werden sollen. Ein Kreis von Ärztinnen hat sich gebildet, die Untersuchungen und Behandlungen kostenlos durchführen ohne Ausweispapiere zu verlangen. „Das Recht auf gesundheitliche Versorgung muss für alle gelten – unabhängig des Aufenthaltsstatus“, finden sie. In der Nordstadt trifft sich regelmäßig eine Gruppe, die sich gegen steigende Mieten und Verdrängung einsetzt. Aufenthaltsstatus und Nationalität spielt dort keine Rolle mehr, weil alle von den Mieterhöhungen und Zwangsräumungen betroffen sind. Unternehmen haben sich entschlossen Geflüchtete vorrangig anzustellen und fair zu entlohnen. Gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, mit denen andere Unternehmen die Situation von Geflüchteten ausnutzen, wollen sie so ein Zeichen setzen. Auch die Universität öffnet ihre Studiengängen, bietet unbegrenzt Studienplätze an und unterscheidet nicht zwischen Status. Unnötige bürokratische Hindernisse hat sie weitestgehend abgebaut, damit Studierende, die ihr Studium abbrechen mussten, hier fortführen können. Sportvereine und Musikschulen öffnen sich und bieten ihre Angebote umsonst an, weil die Stadt dafür aufkommt.

Diese Entwicklung geht nicht spurlos an der Verantwortlichen in der Stadtverordnetenversammlung vorüber. Es sind Gespräch im Gange, wie die Stadt Menschen, die von einer Abschiebung bedroht sind, schützen kann. Sie setzen sich damit gegen die Verordnung der Bundesregierung, Abschiebungen durchzuführen, hinweg. Sogar ein städtischer Personalausweis ist im Gespräch. Eine Gruppe von Polizisten hat öffentlich bekannt gegeben, dass sie den Befehl verweigern werden Abschiebungen durchzusetzen. All das wäre nicht möglich, ohne ein Klima der Solidarität und Offenheit in der Stadt und den zahlreichen Initiativen, die sich für die Rechte von Geflüchteten einsetzen. In diesem Zuge haben sich viele neue Nachbarschaftsprojekte gegründet, die ein soziales Zusammenleben in den Stadtteilen fördern wollen.

Das hört sich utopisch an? Stimmt nicht ganz. Die meisten Beispiele sind real und werden in Städten schon praktiziert. Sie zeigen uns, wie Solidarität mit Geflüchteten schon heute gelebt wird. Nehmen wir uns diese Städte zum Vorbild und machen es ihnen nach!

Wir rufen alle Kasselerinnen und Kasseler auf, sich an ähnlichen Aktionen zu beteiligen.

Wir wünschen uns eine solidarische Stadt Kassel!


Spring 2017.

Nowadays, the welcoming atmosphere for refugees disappeared to a large extent. Although many initiatives supporting refugees still exist, the everyday racism, aggressions and attacks on refugee accommodations have increased tremendously. The images resemble those from 1990s. Deportations and the increasing aggravation of Germany’s Asylum Law complement the picture. Asylum applications are denied from people who have just recently come to Germany because they fled from war, political persecution or simply because that they couldn’t bear the situation of how Europe is destroying their home countries.

Spring 2018.

Many new initiatives were founded in Kassel that couldn’t accept the situation of discrimination and oppression of refugees. A broad spectrum of citizens gathered to grant a form of citizen asylum, meaning to open their houses to people who otherwise would have been deported. A group of doctors offer free medical treatment without requiring documents. Another initiative regularly meets in Nordstadt, Kassel to fight against increasing prices of rents and displacement. Residence status and nationality are unimportant in this group since everyone is affected by evictions. Companies agreed to primarily employ refugees and to pay them fair wages. In doing so, they want to speak up against exploitative jobs. Also, the university of Kassel opened their doors by removing all bureaucratic obstacles and is granting places to study for everyone, regardless of their country of origin. Sport clubs and musical schools offer their programs for free – the city administration having borne all the costs.

All these processes cannot be disregarded by the city hall. There are ongoing discussions regarding how people threatened by deportations can be supported and protected. The proposal of a city identification card is among the discussions. Police officers publicly stated that they will refuse to obey orders in case of deportations. All this would have never been possible without a climate of solidarity and respect, combined with numerous initiatives demanding rights for refugees.

Does it all sound too utopian? That’s not true. All the examples given are put in practice already in many different cities. They demonstrate how solidarity with refugees is realized starting today. Let’s take these examples as a model for our city!

We call all the citizens of Kassel to get involved in such practices.

We want to see Kassel as a city of solidarity!

 

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